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Import, Export und Produktion in Thailand: 5 Schritte zum Unternehmensstart 2026

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Import, Export und Produktion in Thailand: 5 Schritte zum Unternehmensstart 2026

21. April 2026
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Thailand zählt zu den dynamischsten Wirtschaftsstandorten Südostasiens — und zieht internationale Unternehmer, Investoren und Expats mit wachsender Anziehungskraft an. Der bilaterale Warenverkehr zwischen westlichen und asiatischen Märkten über Thailand hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Doch zwischen einer guten Idee und der ersten Lieferung liegt ein komplexes Geflecht aus Lizenzen, Eigentumsvorschriften und Arbeitsrecht. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf es wirklich ankommt.

Kurzantwort

  • Ausländer können 100 % der Anteile eines Import-Export-Unternehmens halten — jedoch nur mit einer Foreign Business License (FBL) oder über das BOI-Programm
  • Mindestgrundkapital für Unternehmen mit ausländischer Beteiligung: 2 Mio. Baht pro Arbeitserlaubnis (Work Permit)
  • Eine Factory License ist für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern oder einer Maschinenleistung über 50 PS Pflicht
  • Der Mindestlohn in Thailand beträgt 2026 je nach Provinz 370–400 Baht pro Tag
  • Als ASEAN-Mitglied bietet Thailand Null- oder Niedrigzölle beim Export in 9 Nachbarländer
  • Das BOI-Programm (Board of Investment) ermöglicht Steuerfreiheit bis zu 8 Jahren sowie vollständiges ausländisches Eigentum ohne FBL

Szenarien und Optionen

Szenario 1: Import-Export-Unternehmen mit vollständiger ausländischer Kontrolle

Thailand reguliert ausländische Geschäftstätigkeit über den Foreign Business Act (FBA). Der Binnenhandel fällt unter Liste 3 — für Ausländer ohne Sondergenehmigung unzugänglich. Reiner Export sowie Großhandel mit importierten Waren sind jedoch unter bestimmten Bedingungen über eine Foreign Business License des Department of Business Development möglich.

Der pragmatische Weg: Gründung einer Thai Limited Company mit maximal 49 % ausländischer Beteiligung — oder Beantragung eines BOI-Zertifikats, das die Eigentumsbeschränkung aufhebt. US-Bürger können alternativ den Treaty of Amity nutzen, der anderen Nationalitäten nicht offensteht.

Wichtiger Hinweis: Der Einsatz sogenannter Nominee-Aktionäre — also Thai-Bürger, die formal Anteile halten, ohne echter Eigentümer zu sein — ist nach thailändischem Recht eine Straftat. Es drohen Geldstrafen bis zu 1 Mio. Baht und bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe.

Szenario 2: Textilproduktion mit Export in die ASEAN-Region und westliche Märkte

Thailand ist nach Vietnam das zweitgrößte Textilzentrum Südostasiens. Die Produktionskosten liegen 30–40 % unter dem chinesischen Niveau bei vergleichbarer Qualität — ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für exportorientierte Unternehmen.

Schritte zur Betriebsgründung:

  • Unternehmensregistrierung — Thai Limited Company oder BOI-Gesellschaft
  • Factory License — Ausstellung durch das Department of Industrial Works (DIW)
  • Grundstückspacht oder Kauf — Ausländer können Land nicht direkt besitzen; Lösungen bieten thai-ansässige Gesellschaften oder staatlich ausgewiesene Industriezonen
  • Personalplanung — Pflichtquote: mindestens 4 Thai-Mitarbeiter pro ausländischem Mitarbeiter
  • Exportlogistik — der Hafen Laem Chabang wickelt über 8 Mio. TEU jährlich ab und gehört zu den Top-20-Containerhäfen weltweit

Für Exporte nach Europa oder Nordamerika beträgt die Seetransportdauer je nach Route 18–35 Tage. Kosten für einen 40-Fuß-Container liegen saisonal bei 3.500–5.000 USD.

Szenario 3: Import ausländischer Waren nach Thailand

Thailand bietet attraktive Importmöglichkeiten für internationale Hersteller. Besonders nachgefragte Kategorien:

  • Düngemittel und Agrochemikalien — Thailand importiert jährlich Düngemittel im Wert von über 2 Mrd. USD
  • Stahlerzeugnisse und Metallprodukte
  • Weizen und Mehl — Thailand produziert keinen eigenen Weizen und ist vollständig importabhängig
  • Kosmetik und Körperpflege — wachsende Nachfrage über Plattformen wie Shopee und Lazada
  • IT-Lösungen und Software
  • Nahrungsergänzungsmittel und Sporternährung
  • Petrochemische Erzeugnisse

Für den Import von Lebensmitteln ist eine Registrierung bei der Thai FDA erforderlich — der Prozess dauert 2 bis 6 Monate und umfasst Labortests, Zertifizierung sowie Thai-sprachige Kennzeichnung.

Vergleichstabelle: Unternehmensformen in Thailand

MerkmalImport-ExportProduktion (Fabrik)Handelsunternehmen (Binnenmarkt)BOI-Unternehmen
100 % AuslandsbesitzÜber FBL möglichÜber BOI möglichNur bis 49 % ohne FBLJa, automatisch
Mindestkapital2 Mio. Baht2–5 Mio. Baht2 Mio. Baht2 Mio. Baht
Factory LicenseNicht erforderlichPflichtNicht erforderlichJe nach Tätigkeit
Registrierungsdauer4–6 Wochen8–16 Wochen2–4 Wochen8–12 Wochen
Körperschaftsteuer20 %20 %20 %0 % bis zu 8 Jahren
MwSt.7 % (Export: 0 %)7 % (Export: 0 %)7 %7 % (Export: 0 %)
Thai-zu-Ausländer-Quote4:14:14:14:1

Hauptrisiken und Fehler

1. Nominee-Aktionäre. Der häufigste und gefährlichste Fehler. Das Department of Special Investigation (DSI) geht aktiv gegen Strohmann-Konstruktionen vor. Die Fallzahlen steigen jährlich. Wer auf legale Strukturen setzt, schützt sein Kapital und seine Freiheit.

2. Unterschätzung des Bürokratieaufwands. Die vollständige Lizenzierung eines Produktionsbetriebs dauert 4 bis 6 Monate. Planen Sie großzügige Zeit- und Budgetpuffer ein — sie zahlen sich aus.

3. Falsche Warenklassifizierung. Fehler bei Zollcodes (HS-Codes) führen zu Lieferverzögerungen, Bußgeldern und Beschlagnahmungen. Beauftragen Sie stets einen zugelassenen Zollmakler.

4. Missachtung des Arbeitsrechts. Das thailändische Arbeitsgesetz schützt Arbeitnehmer umfassend. Eine ungerechtfertigte Kündigung kann eine Abfindung von bis zu 400 Tageslöhnen nach sich ziehen — bei einer Betriebszugehörigkeit von über 20 Jahren.

5. Lohnunterschreitung. Das Zahlen unter dem gesetzlichen Mindestlohn ist eine Straftat: bis zu 100.000 Baht Bußgeld und bis zu 6 Monate Haft.

6. Fehlende Arbeitserlaubnis für ausländische Direktoren. Selbst Eigentümer dürfen in Thailand ohne Work Permit nicht tätig sein. Die Konsequenz: bis zu 100.000 Baht Bußgeld und Abschiebung.

FAQ

Kann ein Ausländer ein Import-Export-Unternehmen in Thailand gründen? Ja — über eine Foreign Business License oder das BOI-Programm. Bei einer Standard-Thai-Ltd. ist der Auslandsanteil auf 49 % begrenzt.

Wie hoch sind die Kosten für eine Unternehmensregistrierung? Die Registrierung einer Thai Limited Company kostet in der Regel 20.000–50.000 Baht an Rechtsberatungsgebühren. Das Mindestgrundkapital beträgt 2 Mio. Baht pro Work Permit.

Was ist BOI und warum ist es relevant? Das Board of Investment ist eine staatliche Investitionsförderungsbehörde. BOI-zertifizierte Unternehmen erhalten: 100 % Auslandsbesitz, Steuerfreiheit bis zu 8 Jahren, Landbesitzrechte sowie vereinfachte Visa-Prozesse.

Brauche ich eine Factory License für Kleinproduktion? Nein — wenn weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigt sind und die Maschinenleistung unter 50 PS liegt, entfällt die Lizenspflicht. Eine Meldung beim Department of Industrial Works ist dennoch erforderlich.

Was ist der Mindestlohn in Thailand 2026? 370–400 Baht pro Tag, abhängig von der Provinz. In Bangkok und touristischen Zentren gilt der obere Wert. Qualifizierte Produktionsmitarbeiter verdienen typischerweise 15.000–25.000 Baht monatlich.

Welche Steuern zahlt ein Exportunternehmen? Körperschaftsteuer: 20 % (0 % bei BOI). MwSt. auf Exporte: 0 %. Einkommensteuer für ausländische Direktoren: 5–35 % nach progressivem Stufenmodell.

Wie kann man Gewinne ins Ausland transferieren? Die Bank of Thailand erlaubt Gewinnrepatriierung. Erforderlich sind Steuererklärungen und Zahlungsnachweise. Für ausgehende Überweisungen bis 50.000 USD pro Tag besteht keine Devisenkontrolle.

Welche Standorte eignen sich für Produktionsbetriebe? Besonders attraktiv sind die Industriezonen der Eastern Seaboard-Region (Chonburi, Rayong) — hafennah und gut erschlossen. Alternativ bieten Nakhon Ratchasima und Chiang Mai günstigere Miet- und Lohnkosten.

Thailand ist kein einfacher Markt für den Einstieg — aber einer der wirtschaftlich attraktivsten in Südostasien, was das Verhältnis von Kosten, Infrastruktur und ASEAN-Marktzugang betrifft. Die entscheidende Grundregel lautet: Beginnen Sie mit der richtigen rechtlichen Struktur. Ein Fehler in dieser Phase kostet ein Vielfaches mehr als eine professionelle Beratung im Vorfeld.

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