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Urteil auf Koh Samui: Italiener wegen Nominee-Aktionären verurteilt, was das für Investoren bedeutet

27. August 2026

Im Februar 2026 verurteilte das Provinzgericht Surat Thani einen italienischen Gastronomen von Koh Phangan, der zweieinhalb Jahre lang sein Restaurant über thailändische Strohmann-Aktionäre kontrollierte. Das Ergebnis: ein Jahr Haft auf Bewährung, eine Geldstrafe von über 130.000 Baht und ein vollständiges Geschäftsverbot. Der Fall gilt als einer der markantesten Präzedenzfälle zur Durchsetzung des Foreign Business Act (FBA) der letzten Jahre und betrifft direkt jeden ausländischen Investor, der Nominee-Strukturen als 'sicheren' Weg zur Umgehung der Eigentumsbeschränkungen betrachtet.

Kurzantwort

  • Das Gericht Surat Thani verurteilte den italienischen Staatsbürger sowie drei thailändische Nominee-Aktionäre nach dem Foreign Business Act B.E. 2542

  • Der Italiener erhielt 1 Jahr Haft (2 Jahre auf Bewährung ausgesetzt) und eine Geldstrafe von 130.000 Baht (110.000 plus 20.000 Baht zusätzlich)

  • Die thailändischen Strohmänner erhielten je 6 Monate auf Bewährung und je 50.000 Baht Geldstrafe

  • Das Unternehmen muss den Geschäftsbetrieb vollständig einstellen, die Nominees müssen aus der Aktionärsstruktur ausscheiden

  • Bei Nichteinhaltung des Verbots fallen 10.000 Baht Strafe pro Tag an

  • Das Geschäft fiel unter Liste 3, Punkt 19 des FBA (Gastronomiedienstleistungen), die ohne Lizenz für ausländische Kontrolle gesperrt sind

  • Laut einer aktuellen Ermittlungswelle auf Koh Samui laufen bereits 60 Verfahren gegen 88 Verdächtige (26 Thailänder, 62 Ausländer), verbunden mit Immobilien im Wert von rund 1,2 Milliarden Baht

Szenarien und Optionen

Szenario 1: Legale Foreign Business License (FBL)

Der Ausländer beantragt beim Department of Business Development (DBD) eine Lizenz nach Liste 3 des FBA. Der Prozess dauert 3 bis 6 Monate und erfordert eine Begründung, etwa eine Investition ab 3 Millionen Baht und die Schaffung von Arbeitsplätzen für Thailänder. Vorteil: volle Rechtssicherheit, kein strafrechtliches Risiko. Nachteil: langwieriges Verfahren, mögliche Ablehnung, jährliche Berichtspflichten.

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Szenario 2: Echtes Joint Venture mit thailändischem Partner

Der Ausländer hält bis zu 49 % der Anteile, der thailändische Partner, ein realer Investor mit nachweisbarem Kapital, hält 51 %. Der entscheidende Unterschied zur Nominee-Struktur: Der thailändische Miteigentümer ist tatsächlich am Management beteiligt und investiert eigenes Geld. Vorteil: rechtlich einwandfrei. Nachteil: Abhängigkeit vom Partner, Risiko von Interessenkonflikten.

Szenario 3: BOI-Förderung oder Treaty of Amity

US-Bürger können den Treaty of Amity für 100 % Geschäftseigentum nutzen. Bürger anderer Länder können bei vorrangigen Branchen eine Förderung durch das Board of Investment (BOI) erhalten. Vorteil: maximaler Schutz und Steuervergünstigungen. Nachteil: nicht für alle Geschäftsarten geeignet.

Szenario 4: Nominee-Struktur (wie im vorliegenden Fall)

Genau jene Konstruktion, die den Italiener vor Gericht brachte. Thailändische Bürger halten Anteile 'auf dem Papier', die tatsächliche Kontrolle und das Kapital liegen beim Ausländer. Vorteil: schneller Start, geringe Anfangskosten. Nachteil: Strafverfolgung, Haftstrafe, Geldbußen, Verlust des Geschäfts und Abschiebung.

Vergleichstabelle

ParameterLizenz FBLEchtes JV (49/51)BOI / TreatyNominee-Struktur
LegalitätVollständigVollständigVollständigStraftat
AusländeranteilBis 100 %Bis 49 %Bis 100 %Formal 49 %, faktisch 100 %
Bearbeitungsdauer3 bis 6 Monate1 bis 2 Monate3 bis 12 Monate2 bis 4 Wochen
StartkostenAb 200.000 BahtAb 100.000 BahtAb 300.000 BahtAb 50.000 Baht
StrafrechtsrisikoNullNullNullHoch (bis zu 3 Jahre)
GeschäftskontrolleVollständigEingeschränktVollständigIllusorisch
Bestand bei PrüfungHochHochHochNull

Hauptrisiken und Fehler

Risiko 1: Strafverfolgung nach dem FBA. Die Höchststrafe liegt bei bis zu 3 Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 1.000.000 Baht. Der Italiener erhielt in diesem Fall ein vergleichsweise mildes Urteil, weil er sich schuldig bekannte. Mitigation: ausschließlich über legale Eigentumsstrukturen arbeiten.

Risiko 2: Thailändische Nominees tragen ebenfalls das Risiko. Viele glauben, nur der Ausländer sei gefährdet. In diesem Fall erhielt jeder der drei thailändischen 'Aktionäre' 6 Monate auf Bewährung und 50.000 Baht Geldstrafe. Mitigation: keine thailändischen Bekannten in Nominee-Strukturen einbinden.

Risiko 3: Vollständiger Geschäftsverlust. Das Gericht ordnete die Einstellung des Betriebs an. Jahre an Arbeit, Investitionen in Ausstattung und aufgebauter Kundenstamm sind mit einem Urteil hinfällig. Mitigation: die Kosten der legalen Strukturierung von Anfang an in den Businessplan einkalkulieren.

Risiko 4: Tägliche Strafen bei Nichteinhaltung. 10.000 Baht pro Tag bei Verstoß gegen das gerichtliche Verbot, das ergibt 300.000 Baht im Monat. Mitigation: gerichtliche Anordnungen sofort und vollständig umsetzen.

Risiko 5: Abschiebung und Blacklist. Eine Vorstrafe in Thailand kann zum Visa-Entzug und Einreiseverbot führen. Mitigation: Beratung durch einen lizenzierten thailändischen Anwalt vor Beginn jeder kommerziellen Tätigkeit.

Risiko 6: Falsches Sicherheitsgefühl. 'Das machen doch alle' ist das gefährlichste Argument. Das Department of Special Investigation (DSI) und das DBD verstärken die Kontrollen seit 2024 spürbar, besonders in touristischen Provinzen. Laut einer aktuellen Ermittlungsphase auf Koh Samui wurden bereits 14 Ausländer verhaftet, darunter Staatsangehörige aus China, Großbritannien, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, den Philippinen und den USA. Mitigation: aktuelle Rechtspraxis studieren, nicht auf jahrzehntealte Erfahrungen von Bekannten vertrauen.

FAQ

Was ist ein Nominee-Aktionär in Thailand?

Ein thailändischer Staatsbürger, der formal Unternehmensanteile hält, ohne echtes Kapital eingebracht zu haben oder am Management beteiligt zu sein. Die tatsächliche Kontrolle und das Geld liegen beim Ausländer. Diese Konstruktion verstößt direkt gegen den Foreign Business Act B.E. 2542 (1999).

Wie hoch ist die Höchststrafe für die Nutzung von Nominees?

Bis zu 3 Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 1.000.000 Baht für den Ausländer. Auch thailändische Nominees haften strafrechtlich, ebenfalls mit bis zu 3 Jahren Haft und bis zu 1.000.000 Baht Geldstrafe.

Kann ein Ausländer legal ein Restaurant in Thailand besitzen?

Ja, mit einer Foreign Business License oder über ein echtes Joint Venture, bei dem der thailändische Partner tatsächlich investiert und managt. Das Gastronomiegeschäft fällt unter Liste 3 des FBA.

Wie deckt das DBD Nominee-Strukturen auf?

Die Behörde analysiert die Kapitalquellen der Aktionäre, prüft Steuererklärungen der thailändischen 'Eigentümer', untersucht Banküberweisungen und die tatsächlichen Managementbefugnisse. Anzeigen von Konkurrenten oder ehemaligen Mitarbeitern sind ebenfalls häufige Auslöser für Prüfungen.

Betrifft das auch Immobilien?

Ja. Nominee-Strukturen zum Landbesitz über thailändische Firmen werden nach denselben FBA-Paragrafen geprüft. Das Landdepartment arbeitet eng mit dem DBD zusammen. Laut aktuellen Berichten stehen im Zusammenhang mit einer Ermittlung auf Koh Samui und Phuket 31 Verdächtige vor der Staatsanwaltschaft, verbunden mit einem Netzwerk aus Anwaltskanzleien und Beratungsfirmen.

Bedeutet eine Bewährungsstrafe, dass man in Thailand bleiben kann?

In diesem Fall setzte das Gericht die Strafe mit einer zweijährigen Bewährungszeit aus, formal muss der Verurteilte nicht ins Gefängnis. Die Vorstrafe bleibt jedoch bestehen und kann Visumsverlängerungen sowie künftige Arbeitserlaubnisanträge beeinflussen.

Was kostet die legale Gründung über eine FBL?

Die rechtliche Begleitung für eine Foreign Business License kostet zwischen 150.000 und 400.000 Baht, abhängig von der Komplexität. Das ist um ein Vielfaches günstiger als Geldstrafen und Geschäftsverlust bei Aufdeckung einer Nominee-Struktur.

Der Fall des italienischen Gastronomen von Koh Phangan ist kein Einzelfall, sondern Teil eines systematischen Trends. Die thailändischen Behörden verschärfen die Kontrolle über ausländische Geschäftstätigkeit konsequent, besonders in touristischen Zonen. Die einzige tragfähige Strategie ist vollständige Legalität von Tag eins an. Wer bei der rechtlichen Strukturierung spart, zahlt am Ende ein Vielfaches mehr.

Quelle: MGR Online International

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