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3 Steuern bei Auslandszahlungen aus Thailand: Ein Leitfaden für Unternehmen 2026

21. April 2026
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Sie haben ein Unternehmen in Thailand gegründet und erhalten die erste Rechnung eines ausländischen Dienstleisters. Sie klicken auf 'Überweisung senden' — und dann beginnt die eigentliche Komplexität. Die Bank fordert Formulare. Die Steuerbehörde erwartet einbehaltene Abgaben. Und zusätzlich zur Rechnungssumme schulden Sie dem Staat 7 % Mehrwertsteuer. Drei steuerliche Verpflichtungen, die 8 von 10 Gründern schlicht vergessen.

Internationale Zahlungen aus einer thailändischen Gesellschaft sind kein gewöhnlicher Bankauftrag — sie sind ein reguliertes Steuerverfahren mit festen Fristen und empfindlichen Strafen bei Verstößen. Dieser Leitfaden erklärt jeden Bestandteil klar und praxisnah.

Kurzantwort

  • Withholding Tax (WHT) — Bei Zahlungen für Dienstleistungen ins Ausland muss die thailändische Gesellschaft eine Quellensteuer einbehalten und direkt an das Revenue Department abführen.

  • VAT 7 % — Bei Rechnungen ausländischer Lieferanten ist die Gesellschaft verpflichtet, die Mehrwertsteuer über das Formular PP.36 bis spätestens zum 7. des Folgemonats abzuführen.

  • Bankformulare — Jede internationale Überweisung erfordert ausgefüllte Devisenkontrollformulare mit Nachweis des Zahlungszwecks (Rechnung, Vertrag, Kreditdokumentation).

  • Verspätete Einreichung von PP.36 wird mit 1,5 % pro Monat auf den ausstehenden Steuerbetrag plus einer Pauschalstrafe geahndet.

  • Der WHT-Satz richtet sich nach der Art des Einkommens und dem Vorliegen eines Doppelbesteuerungsabkommens (DTA) zwischen Thailand und dem Land des Empfängers.

Szenarien und Optionen

Szenario 1: Zahlung an einen IT-Dienstleister in Singapur

Ein thailändisches Unternehmen beauftragt eine singapurische Firma mit der App-Entwicklung — Vertragswert 100.000 Baht. So läuft es ab:

  • Die Gesellschaft behält WHT ein. Zwischen Thailand und Singapur besteht ein DTA, das die Quellensteuer reduzieren kann. Ohne DTA gilt für Lizenzgebühren und technische Dienstleistungen der Standardsatz von 15 %.
  • Zusätzlich sind 7 % VAT (7.000 Baht) über PP.36 bis zum 7. des Folgemonats an das Revenue Department zu entrichten.
  • Die Bank verlangt eine Kopie der Rechnung des singapurischen Anbieters sowie ein ausgefülltes Devisenkontrollformular.

Szenario 2: Wareneinkauf bei einem chinesischen Hersteller

Bei der Einfuhr physischer Waren gilt eine andere Logik. MwSt. und Einfuhrzölle werden beim Zoll beim Wareneingang erhoben. WHT fällt auf Warenzahlungen in der Regel nicht an. Bankformulare sind dennoch verpflichtend.

Szenario 3: Zahlung für Werbung bei Google oder Meta

Ein häufiger Fall. Google und Meta stellen ihre Rechnungen aus dem Ausland aus. Die thailändische Gesellschaft ist verpflichtet:

  • WHT einzubehalten — üblicherweise 15 % für Lizenz- und Nutzungsgebühren, wobei die genaue Einstufung von der Zahlungsstruktur abhängt.
  • PP.36 mit 7 % VAT fristgerecht einzureichen.

In der Praxis ignorieren viele Unternehmen diese Pflichten. Das Revenue Department prüft solche Zahlungen seit 2024 deutlich intensiver.

Szenario 4: Überweisung an ein verbundenes Unternehmen im Ausland

Zahlt ein thailändisches Unternehmen an eine nahestehende ausländische Gesellschaft, greifen die Verrechnungspreisregeln. Das Revenue Department kann den Transaktionswert anfechten, wenn dieser nicht dem Fremdvergleichsgrundsatz entspricht.

Vergleichstabelle: Steuerliche Pflichten nach Zahlungsart

ZahlungsartWHTVAT 7 % (PP.36)BankformulareFrist VAT-Einreichung
Dienstleistungen (IT, Beratung)Ja, 5–15 %JaJaBis 7. des Folgemonats
Lizenzgebühren, LizenzenJa, 15 %JaJaBis 7. des Folgemonats
Waren (Import)NeinBeim ZollJaBei Zollabfertigung
Werbung (Google, Meta)Ja, 15 %JaJaBis 7. des Folgemonats
DarlehenszinsenJa, 15 %NeinJa
Dividenden ins AuslandJa, 10 %NeinJa

WHT-Sätze ohne Berücksichtigung bestehender DTA. Bei Vorliegen eines Doppelbesteuerungsabkommens können die Sätze erheblich reduziert werden.

Hauptrisiken und Fehler

1. PP.36 nicht fristgerecht eingereicht. Der häufigste Fehler überhaupt. Die Strafe wird automatisch berechnet — 1,5 % pro Monat auf den ausstehenden Steuerbetrag, zuzüglich einer Pauschalstrafe von bis zu 2.000 Baht je verspätetem Formular.

2. WHT nicht einbehalten. Wurde keine Quellensteuer einbehalten, richtet das Revenue Department seine Forderung ausschließlich an das thailändische Unternehmen — nicht an den ausländischen Lieferanten. Die Steuerlast trägt allein die inländische Gesellschaft.

3. Falsche Klassifizierung der Zahlung. Ob es sich um eine 'Dienstleistungszahlung' oder eine 'Warenzahlung' handelt, entscheidet über die WHT-Pflicht. Eine Fehlklassifizierung führt bei Betriebsprüfungen zu Steuernachforderungen.

4. Fehlende Belegdokumentation. Ohne korrekten Vertrag oder ordnungsgemäße Rechnung kann die Bank die Überweisung blockieren. Einige Banken — darunter Bangkok Bank und Kasikorn — sind bei Überweisungen ab 200.000 Baht besonders streng.

5. DTA nicht genutzt. Thailand hat Doppelbesteuerungsabkommen mit 61 Ländern geschlossen, darunter Singapur, Hongkong, die VAE und Deutschland. Wer das DTA nicht anwendet, zahlt unnötig hohe Steuern.

6. Verrechnungspreise unterschätzt. Bei Zahlungen an verbundene Unternehmen kann das Revenue Department Transaktionspreise anfechten. Die Strafen sind erheblich — bis zu 200 % auf die nachveranlagten Steuern.

FAQ

Muss ich 7 % VAT zahlen, wenn der Lieferant bereits die MwSt. seines Landes auf der Rechnung ausweist? Ja. Der thailändische VAT über PP.36 ist eine eigenständige Pflicht und unabhängig davon, ob eine ausländische MwSt. in der Rechnung enthalten ist.

Kann der über PP.36 gezahlte VAT als Vorsteuer geltend gemacht werden? Ja. Der per PP.36 entrichtete VAT kann in der PP.30-Erklärung als Vorsteuer (Input Tax) angerechnet werden und reduziert so die Gesamtsteuerlast.

Bis wann muss die WHT abgeführt werden? Einbehaltene WHT ist bis zum 7. des Folgemonats an das Revenue Department zu überweisen. Das maßgebliche Formular für Auslandszahlungen ist PND.54.

Gilt WHT auch für Warenzahlungen? In der Regel nein. WHT wird auf Zahlungen für Dienstleistungen, Lizenzgebühren, Zinsen und Dividenden erhoben. Zahlungen für physische Waren sind davon üblicherweise ausgenommen.

Was tun, wenn die Bank die Überweisung ablehnt? Einen vollständigen Dokumentensatz vorlegen: Vertrag auf Englisch oder Thailändisch, Rechnung mit Angabe des Zahlungszwecks sowie Registrierungsdokumente des Empfängers. Bei Beträgen über 1.500.000 Baht kann die Bank of Thailand zusätzliche Nachweise anfordern.

Wie werden Zahlungen an selbstständige Freelancer im Ausland behandelt? Die gleichen Regeln gelten: WHT ist einzubehalten (Satz abhängig vom anwendbaren DTA), PP.36 für VAT ist einzureichen, und Bankformulare sind vorzulegen. Das thailändische Steuerrecht betrachtet Freelancer als Dienstleistungserbringer.

Kann WHT durch Zahlung in Kryptowährung umgangen werden? Nein. Die Steuerpflicht entsteht mit dem Anfallen der Ausgabe — nicht mit dem Zeitpunkt der Überweisung. Die Zahlungsart hat keinen Einfluss auf die WHT-Pflicht.

Bevor jede internationale Zahlung ausgeführt wird, sollten drei Fragen geprüft werden: Ist WHT einzubehalten? Muss PP.36 eingereicht werden? Liegt die vollständige Bankdokumentation vor? Ein Kalender mit dem 7. jedes Monats als fester Frist für PND.54 und PP.36 schützt vor kostspieligen Versäumnissen. Die Zusammenarbeit mit einem Buchhalter, der Erfahrung mit internationalen Transaktionen hat, ist in diesem Bereich keine Option — sie ist eine Notwendigkeit.

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