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Milken-Index 2026: Wohin das Kapital in Asien wirklich fließt
Malaysia, Vietnam, Indonesien und die Philippinen, nicht Thailand oder Singapur, gelten laut dem aktuellen Ranking des Milken Institute als die attraktivsten Investitionsstandorte Südostasiens. Ein Ergebnis, das nur auf den ersten Blick überrascht.
Der Global Opportunity Index (GOI) 2026, veröffentlicht am 16. April 2026, bewertet die Attraktivität von Volkswirtschaften anhand von 101 Variablen in fünf Kategorien. Es handelt sich nicht um eine Marketingliste im Stil 'Wo kaufe ich eine Villa', sondern um ein Analyseinstrument, das institutionelle Investoren, Staatsfonds und Konzerne bei der Wahl ihrer Kapitalstandorte nutzen.
Für alle, die bereits in der Region investieren oder leben, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ergebnisse, besonders darauf, was tatsächlich gemessen wird und warum einige 'offensichtliche' Favoriten nicht in die Top-Positionen kamen.
Wichtige Fakten
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Der Milken Institute GOI 2026 bewertet Länder anhand von 101 Variablen in fünf Kategorien: Geschäftswahrnehmung, wirtschaftliche Fundamentaldaten, Finanzdienstleistungen, institutionelles Umfeld sowie internationale Standards und Politik.
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Malaysia führt das südostasiatische Ranking an und liegt weltweit auf Platz 23, noch vor Vietnam, Indonesien und den Philippinen.
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Sechs wachsende Märkte der Region ziehen laut Milken Institute rund 8,2 Prozent der globalen Kapitalflüsse in Schwellenländer an (Zeitraum 2021 bis 2024), wobei ausländische Direktinvestitionen (FDI) über 70 Prozent der gesamten Zuflüsse ausmachen.
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Vietnam (Hanoi) festigt seine Position als zweitattraktivstes Ziel der Region, was das Wachstum ausländischer Direktinvestitionen widerspiegelt.
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Der Bericht betont ein 'kalibriertes Wachstum' (calibrated growth) der südostasiatischen Volkswirtschaften trotz globaler Gegenwinde wie Handelskonflikten, Chinas Konjunkturabschwächung und hohen Zinsen in den Industrieländern.
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Weder Thailand noch Singapur zählen zu den regionalen Spitzenreitern des Index, obwohl beide Länder traditionell als zentrale Drehscheiben für ausländisches Kapital gelten.
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Das Milken Institute veröffentlicht den GOI seit 2012 jährlich, die aktuelle Ausgabe erschien am 16. April 2026.
Geschichte und Kontext
Das Milken Institute ist ein kalifornischer Thinktank, gegründet 1991. Der Global Opportunity Index wurde ursprünglich entwickelt, um zu messen, wie leicht Kapital Grenzen überqueren und produktiv arbeiten kann. Nicht 'wo ist es schön', sondern 'wo ist Kapital geschützt, wo sind Regeln klar, wo gibt es Zugang zu Finanzinfrastruktur'.
Genau deshalb weichen die GOI-Ergebnisse oft von der landläufigen Vorstellung ab, welche Länder 'besser' für Investitionen sind. Malaysia belegt dank seines entwickelten Aktienmarktes Bursa Malaysia, transparenter Regulierung und eines englischsprachigen Rechtssystems auf Basis des britischen Common Law regelmäßig Spitzenplätze. Für institutionelle Investoren ist das entscheidend, ebenso wie starke Ergebnisse in den Teilkategorien Financial Services (Platz 17 weltweit).
Vietnam hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Sprung gemacht. Das Land zog allein 2025 rund 23 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen an, so die vietnamesische Foreign Investment Agency. Hanoi vereinfacht gezielt die Verfahren für ausländische Unternehmen, während der lokale Aktienmarkt aktiv den Status eines Emerging Market bei MSCI anstrebt, statt weiterhin als Frontier Market geführt zu werden.
Thailand landet in diesem Ranking unter den Erwartungen. Der Grund liegt nicht in wirtschaftlicher Schwäche, sondern in der Methodik. Der GOI berücksichtigt 101 Parameter, darunter Korruptionswahrnehmung, Einfachheit der Unternehmensgründung, Kreditzugang und Schutz von Minderheitsaktionären. In mehreren dieser Kategorien liegt Thailand hinter Malaysia und Vietnam.
Für internationale Investoren, die bereits Immobilien in Thailand besitzen oder einen Kauf erwägen, ist das kein Grund zur Sorge. Der GOI ist auf Portfolio- und Unternehmensinvestitionen zugeschnitten. Der Wohnimmobilienmarkt folgt anderen Gesetzen, hier zählen lokale Nachfrage, Mietrendite und Touristenströme stärker.
Ein Blick nach Phuket zeigt das deutlich: Zwischen 2021 und 2025 wurden dort 45.066 neue Wohneinheiten im Wert von rund 469,7 Milliarden Baht (etwa 13 Milliarden US-Dollar) auf den Markt gebracht. Ende 2025 zählte der Markt über 72 Projekte mit 10.312 Einheiten und mehr als 81,6 Milliarden Baht an frischen Investitionen. Rund 62 Prozent der Nachfrage stammen dabei aus dem Ausland, verteilt auf 141 Länder, mit den USA, Großbritannien und Russland als größten Herkunftsländern. Der mediane Kaufpreisbudget lag bei 7,5 Millionen Baht. Institutionelles Kapital mag also andere Wege gehen, private Kapitalflüsse in Immobilienmärkte wie Phuket bleiben davon unberührt stark.
Das Signal sollte man dennoch ernst nehmen. Wenn institutionelles Kapital nach Kuala Lumpur und Hanoi fließt, folgen Infrastruktur, Arbeitsplätze und steigende Immobilienpreise. Malaysia erlebt bereits einen Boom bei Rechenzentren und Halbleiterproduktion. Vietnam baut seine Industriebasis aus und übernimmt Produktionsketten, die aus China abwandern.
Indonesien und die Philippinen schafften es aus anderen Gründen in die Top-Gruppe. Indonesien verfügt über die größte Volkswirtschaft der Region mit über 275 Millionen Einwohnern und dem ambitionierten Hauptstadtprojekt Nusantara. Die Philippinen punkten mit einer englischsprachigen Arbeitskraft und einem BPO-Sektor, der jährlich rund 33 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert.
Ein interessantes Paradox: Singapur, das in den meisten wirtschaftlichen Kennzahlen alle Nachbarn übertrifft, schaffte es nicht unter die regionalen Spitzenreiter des GOI 2026. Der wahrscheinliche Grund liegt in der Methodik, die Marktgröße und Wachstumspotenzial berücksichtigt. Singapur ist bereits so weit entwickelt, dass das 'Opportunity'-Potenzial im Sinne des Milken Institute begrenzt ist.
FAQ
Was ist der Global Opportunity Index des Milken Institute?
Ein jährliches Analyse-Ranking, das die Investitionsattraktivität von Ländern weltweit anhand von 101 Variablen in fünf Kategorien bewertet: Geschäftswahrnehmung, wirtschaftliche Fundamentaldaten, Finanzdienstleistungen, institutionelles Umfeld und internationale Standards.
Welche Länder Südostasiens führen das GOI-Ranking 2026 an?
Malaysia, Vietnam, Indonesien und die Philippinen gelten laut dem Bericht vom 16. April 2026 als die führenden Investitionsziele Südostasiens. Malaysia belegt zudem weltweit Platz 23.
Warum schafft es Thailand nicht in die Top-Gruppe?
Die GOI-Methodik ist auf institutionelle und unternehmerische Investitionen ausgerichtet. Thailand liegt bei Kriterien wie regulatorischer Transparenz, Unternehmensgründung und Investorenschutz hinter den Spitzenreitern. Das sagt nichts über die Stärke des thailändischen Immobilienmarktes aus, der etwa in Phuket mit 62 Prozent ausländischer Nachfrage aus 141 Ländern weiterhin robust bleibt.
Beeinflusst das GOI-Ranking den Immobilienmarkt?
Indirekt ja. Institutionelles Kapital schafft Arbeitsplätze, Infrastruktur und Konsumnachfrage, was langfristig die Immobilienpreise in den führenden Regionen steigen lässt.
Warum ist Singapur nicht unter den Top-Ländern des GOI 2026?
Wahrscheinlich wegen der methodischen Anpassung an das Wachstumspotenzial. Singapur ist eine reife Volkswirtschaft mit begrenztem Spielraum für zusätzliche 'Opportunities' im Sinne des Index.
Lohnt sich Malaysia oder Vietnam für internationale Investoren?
Beide Märkte sind interessant, haben aber Einschränkungen. In Malaysia liegt die Mindestkaufschwelle für Ausländer bei 1 Million Ringgit (rund 220.000 US-Dollar). In Vietnam können Ausländer Wohnungen nur als Leasehold für 50 Jahre erwerben.
Wie oft wird der GOI veröffentlicht?
Das Milken Institute veröffentlicht den Bericht seit 2012 jährlich.
Quelle: Milken Institute
Die wichtigste Erkenntnis für Investoren: Rankings institutioneller Attraktivität und der Markt für private Wohnimmobilien folgen unterschiedlichen Logiken. Thailand bleibt ein starker Markt für den Kauf von Wohneigentum zur Vermietung oder Eigennutzung, insbesondere in Phuket, wo die Nachfrage aus 141 Ländern belegt, wie global dieser Markt bereits ist. Wer jedoch portfolioorientiert denkt und eine regionale Diversifikation erwägt, findet in den GOI-2026-Daten eine Landkarte der großen Kapitalströme.
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